Falscher Microsoft-Anruf oder Warnfenster: was tun?
Microsoft ruft nicht unaufgefordert an, und echte Windows-Warnungen enthalten keine Telefonnummer. Wir erklären, wie Sie ein Warnfenster schließen und was zu tun ist, wenn Sie schon Fernzugriff erlaubt haben.
0151 1206 0778Die kurze Antwort
Microsoft ruft Sie nicht unaufgefordert an, und echte Fehlermeldungen von Windows nennen nie eine Telefonnummer. Bei einem solchen Anruf legen Sie einfach auf. Ein Warnfenster im Browser schließen Sie über den Task-Manager oder notfalls, indem Sie den Computer ausschalten.
Haben Sie den Anrufern schon Zugriff auf Ihren Computer gegeben, gehen Sie so vor:
- Internetverbindung trennen und den Computer ausschalten
- Passwörter von einem anderen Gerät aus ändern
- Die Bank anrufen
- Den Computer prüfen lassen
- Anzeige erstatten
Auf dieser Seite
So arbeiten die Betrüger
Die Masche kommt auf zwei Wegen.
Der Anruf: Jemand stellt sich als Mitarbeiter von Microsoft vor, manchmal auch von Windows, Apple oder Ihrem Internetanbieter. Ihr Computer sende Fehlermeldungen, sei von Viren befallen oder die Lizenz sei abgelaufen.
Das Warnfenster: Beim Surfen erscheint plötzlich eine Seite im Vollbild, oft rot, mit Microsoft-Logo und manchmal mit lauter Stimme. Ihr Computer sei gesperrt, Sie sollen sofort eine Telefonnummer anrufen. Tatsächlich ist nur das Browserfenster blockiert. Ihr Computer ist dadurch in aller Regel nicht infiziert.
In beiden Fällen ist das Ziel dasselbe: Sie sollen ein Fernwartungsprogramm installieren. Damit sehen die Betrüger Ihren Bildschirm und können Ihren Computer bedienen. Sie zeigen Ihnen dann harmlose Systemmeldungen als angeblichen Beweis und verlangen Geld für die "Reparatur", oft in Form von Gutscheinkarten aus dem Supermarkt. Häufig öffnen sie auch Ihr Online-Banking, angeblich für eine Rückerstattung oder eine "Testüberweisung".
Bei einem Anruf: auflegen
Sie müssen nicht höflich sein und nichts erklären. Legen Sie auf.
- Installieren Sie nichts, was ein Anrufer Ihnen nennt.
- Öffnen Sie keine Webseite, die er Ihnen diktiert.
- Lesen Sie keine Codes vor, die auf Ihrem Bildschirm oder per SMS erscheinen.
Die angezeigte Rufnummer ist kein Beweis. Betrüger können eine beliebige Nummer vortäuschen, auch eine deutsche.
Ein Warnfenster im Browser schließen
Rufen Sie die angezeigte Nummer nicht an, auch nicht "nur zum Nachfragen". Klicken Sie nicht in das Fenster hinein, auch nicht auf Schaltflächen wie "OK" oder "Schließen" innerhalb der Seite.
Schritt 1: Vollbild verlassen
Drücken Sie die Taste Esc oben links auf der Tastatur. Manche Seiten verlangen, dass Sie sie einige Sekunden gedrückt halten. Erscheint dann die normale Fensterleiste, schließen Sie den Browser oben rechts über das X.
Schritt 2: Über den Task-Manager beenden (Windows)
Hilft das nicht, drücken Sie gleichzeitig Strg + Alt + Entf und wählen Task-Manager. Alternativ öffnet Strg + Umschalt + Esc ihn direkt. Markieren Sie in der Liste Ihren Browser, also Microsoft Edge, Google Chrome oder Firefox, und klicken Sie auf Task beenden.
Am Mac
Drücken Sie gleichzeitig Befehlstaste + Wahltaste + Esc. Es öffnet sich das Fenster "Programme sofort beenden". Wählen Sie Ihren Browser aus und klicken Sie auf Sofort beenden.
Wenn gar nichts mehr reagiert
Halten Sie den Ein/Aus-Knopf etwa zehn Sekunden gedrückt, bis der Computer ausgeht. Das schadet dem Gerät nicht. Verloren gehen nur Dokumente, die Sie noch nicht gespeichert hatten.
Nach dem Neustart
Öffnen Sie den Browser wieder. Bietet er an, die zuletzt geöffneten Seiten wiederherzustellen, lehnen Sie das ab. Erscheint die Warnseite trotzdem erneut, schließen Sie sie wieder über den Task-Manager und lassen Sie sich helfen.
Zur Sicherheit können Sie danach eine Prüfung mit dem eingebauten Virenschutz starten. Öffnen Sie über das Startmenü die App Windows-Sicherheit und wählen Sie Viren- & Bedrohungsschutz → Schnellüberprüfung.
Manche Seiten bitten vorher darum, Ihnen "Benachrichtigungen" senden zu dürfen, und blenden später falsche Warnungen ein. Haben Sie so etwas erlaubt, entfernen Sie die Seite in den Browser-Einstellungen unter Datenschutz und Website-Berechtigungen bei den Benachrichtigungen.
Sie haben Fernzugriff erlaubt
Häufig genutzte Programme sind AnyDesk, TeamViewer oder die in Windows eingebaute Schnellhilfe. Haben Sie eines davon auf Anweisung eines Anrufers gestartet, handeln Sie in dieser Reihenfolge.
1. Internetverbindung trennen
Ziehen Sie das Netzwerkkabel oder schalten Sie das WLAN am Computer aus. Fahren Sie den Computer anschließend herunter und lassen Sie ihn ausgeschaltet, bis er geprüft ist. Solange er offline ist, kommen die Betrüger nicht mehr hinein.
2. Passwörter von einem anderen Gerät ändern
Nehmen Sie dafür Ihr Smartphone oder einen anderen Computer, nicht den betroffenen. Beginnen Sie mit dem E-Mail-Konto, denn darüber lassen sich viele andere Passwörter zurücksetzen. Danach folgen Online-Banking, PayPal, Amazon und alle Konten, deren Passwörter im Browser gespeichert waren. Wie Sie dabei vorgehen, steht in unserem Ratgeber zu sicheren Passwörtern.
3. Die Bank anrufen
Rufen Sie Ihre Bank auch dann an, wenn Sie während des Gesprächs nicht im Online-Banking waren. Nutzen Sie die Nummer auf Ihrer Bankkarte. Lassen Sie Karten und bei Bedarf den Online-Banking-Zugang sperren. Für Kartensperren gibt es außerdem den Sperr-Notruf 116 116. Fragen Sie, ob sich bereits getätigte Zahlungen zurückholen lassen.
Haben Sie Gutscheinkarten gekauft und die Codes weitergegeben, melden Sie das sofort dem Anbieter der Karten. Bewahren Sie Kaufbelege und Karten auf.
4. Den Computer prüfen lassen
Das Fernwartungsprogramm zu deinstallieren reicht meist nicht. Während des Zugriffs können weitere Programme eingerichtet, Benutzerkonten angelegt oder Einstellungen verändert worden sein. Lassen Sie den Computer von jemandem prüfen, der sich damit auskennt. Oft ist es am sichersten, Ihre persönlichen Dateien zu sichern und Windows neu einzurichten.
5. Anzeige erstatten
Das geht auf jeder Polizeidienststelle oder online über die Onlinewache der Polizei Schleswig-Holstein. Notieren Sie vorher, was Sie noch wissen: Uhrzeit, angezeigte Rufnummer, Namen, die genannt wurden, das verwendete Programm, gezahlte Beträge und Zahlungswege.
Was Sie nicht tun sollten
- Keine Zahlung für eine "Stornierung" oder Rückerstattung leisten. Das ist der nächste Teil des Betrugs.
- Keine TAN weitergeben und keine Überweisung bestätigen, die Sie nicht selbst ausgelöst haben.
- Keinen Folgeanrufen glauben, in denen sich jemand als Polizei, Bank oder "Microsoft-Sicherheitsabteilung" ausgibt und anbietet, Ihr Geld zurückzuholen.
- Sich nicht schämen. Die Betrüger arbeiten mit eingeübten Gesprächen und viel Druck. Je früher Sie Bank und Polizei informieren, desto besser.
Wenn Sie nicht weiterkommen
Wenn Sie nicht sicher sind, ob auf Ihrem Computer noch etwas Fremdes läuft, schauen wir ihn uns gemeinsam an. Wir prüfen installierte Programme und Einstellungen, entfernen, was dort nicht hingehört, und erklären Ihnen, woran Sie solche Anrufe und Fenster künftig erkennen.
Wir kommen in Kiel und im Einsatzgebiet in der Umgebung zu Ihnen nach Hause. Mehr zur PC-Reparatur und zu den Preisen. Ähnliche Tricks per E-Mail beschreibt unser Ratgeber zu Phishing-Mails.
Weiterführende Quellen
Häufige Fragen
Ist mein Computer infiziert, nur weil das Warnfenster erschienen ist?
In den meisten Fällen nicht. Das Fenster ist eine Webseite, die sich als Systemwarnung ausgibt. Gefährlich wird es erst, wenn Sie anrufen, etwas installieren oder Daten eingeben.
Die Anrufer kannten meinen Namen. Sind sie dann doch echt?
Nein. Namen und Telefonnummern stammen oft aus Telefonbüchern oder Datenlecks. Auch eine angezeigte deutsche Rufnummer kann gefälscht sein.
Reicht es, AnyDesk oder TeamViewer wieder zu deinstallieren?
Meist nicht. Während des Zugriffs können die Betrüger weitere Programme eingerichtet oder Einstellungen verändert haben. Lassen Sie den Computer deshalb gründlich prüfen.
Ruft Microsoft wirklich nie an?
Microsoft meldet sich nicht unaufgefordert per Telefon, um Probleme an Ihrem Computer zu beheben. Ein Rückruf kommt nur, wenn Sie selbst vorher über die offiziellen Wege Support angefragt haben.
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